Ein Familienbuch hat mehr als einen Leser
Bilderbücher werden für Kinder gekauft, aber oft zu zweit erlebt. Das Kind folgt Figuren, Bildern und Gefühlen; der Erwachsene gibt dem Text eine Stimme und liest dieselbe Geschichte vielleicht viele Male. Ein starkes Familienbuch nimmt beide Seiten ernst und behandelt den Erwachsenen nicht nur als Vorlesemaschine.
Wiederholung wird leichter, wenn Sprache Rhythmus hat
Kinder wünschen sich Lieblingsbücher immer wieder. Deshalb sollten Sätze auch beim zehnten Vorlesen noch angenehm klingen. Natürliche Formulierungen, gute Pausen, etwas Humor und ein sprechbarer Rhythmus helfen. Es geht nicht darum, für Erwachsene besonders clever zu schreiben, sondern darum, Sprache so sorgfältig zu bauen, dass sie durch Wiederholung lebendig bleibt.
Illustrationen dürfen für verschiedene Altersstufen Unterschiedliches bereithalten
Ein jüngeres Kind entdeckt vielleicht ein leuchtendes Objekt, ein Tier oder einen komischen Gesichtsausdruck. Erwachsene sehen zusätzlich Komposition, Bildmotive oder feine Hinweise im Hintergrund. Wenn Bilder mehr erzählen, als der Text erklärt, haben beide Leser einen Grund, noch einmal hinzusehen.
Wählt Bücher, die ihr wirklich wiederlesen möchtet
Eine gute Familienbibliothek entsteht nicht nur aus Listen mit Büchern, die Kinder angeblich gelesen haben sollten. Fragt euch, ob die Geschichte Gespräche öffnet, ob die Bilder einen zweiten Blick belohnen und ob ihr das Buch morgen noch einmal gerne lesen würdet. Was beiden Freude macht, hat die größte Chance, wirklich Teil des Familienalltags zu werden.

